Rezension | Here's Looking At You (dt. Vielleicht mag ich dich morgen) von Mhairi McFarlane

Anna ist Anfang dreißig, Single, hat ihren Traumjob gefunden und tolle Freunde. Und sie ist auf der Suche nach dem Einen, was nicht so leicht ist, wenn das Internet voller Freaks ist und man so viele Komplexe wie sie hat, die sie seit ihrer Schulzeit mit sich rumträgt. Denn Anna, richtiger Name Aureliana, wurde in der Schule gemobbt. Sie war das dicke Kind aus Italien, das für jeden den Sandsack spielen musste. Auch für James Fraser, den Typen, von dem Sie jahrelang geschwärmt hat, bis er sie vor der ganzen Schule bloßstellte. Jahre später sehen sie sich wieder.

Britischer Humor ist irgendwie fies - und ich liebe es!

Das Buch beginnt ganz entspannt - mit einem Blind Date für Anna, das alles andere als ideal abläuft (und noch im weiteren zum Running Gag wird). Die Szene gibt für das Kommendeden Ton an. Anna weiß was sie will und sucht danach. Wenn es schief läuft, kotzt sie sich bei ihren Freunden aus, die unglaublich vielschichtige Charaktere sind. Das ist ein Punkt, den ich an You Had Me At Hello (dt. Wir In Drei Worten, Knaur Verlag) schon so geliebt habe: Alle Figuren sind einzigartig! Selbst so'n hübscher Kerl wie James ist nicht nur einfach hübsch und das Bild eines dominanten Arschlochs, wie es in NA Literatur oft genug wiedergekäut und ausgespuckt wird, sondern hat seine Schwächen und Stärken und trägt dazu furchtbare Cardigans. Die Figuren sind einmalig, bunt und keine Stereotypen! Und dann machen sie den Mund auf und raus kommen fiese kleine Kommentare und Witze, die unglaublich lustig sind und durch das britische Vokabular noch besser werden! 

Frenemies!

Dieser Punkt hat für mich in dem Buch viel zu viel Platz eingenommen. James und Laurence - die Frenemies! Es war ganz cool, dass es nicht die Beziehung zwischen Frauen ist, die so dysfunktional dargestellt wird, sondern diesmal die Männer dran sind. Und Holy Moly, sind die beiden hinterhältig. Obwohl Laurence definitiv der Schlimmere von beiden ist, wird James ebenfalls in einem ziemlich schlechten Licht dargestellt, was ihn für mich als Charakter wirklich schwierig macht. Die Gruppenmentalität der Schulzeit wäre leichter zu vergeben, wenn er als Erwachsener ein besserer Mensch wäre. Andererseits zeigt es auch, dass etwas gemeines Teil seines Charakters sein kann, aber James endlich weiß, wo seine Grenzen sind und das wenigstens gelernt hat. Zwischenzeitlich hab ich aber gedacht, dass dieses Hin und Her zwischen James und Laurence endlich mal genug sein sollte, weil die Story teils nur noch daraus bestand, wer was wieso gesagt und getan hat.    

Und zum Schluss ganz viele Tränchen

Zwischenzeitlich war ich etwas irritiert, denn obwohl Anna offensichtlich noch an ihrer Vergangenheit zu knabbern hat, ist sie für meinen Geschmack viel zu nett zu James, selbst nachdem ihr professionelles Verhältnis endet. Als es endlich eskaliert, hab ich aber nur noch Rotz und Wasser geheult. Manche Autoren nutzen Mobbing für eine dramatische Hintergrundgeschichte, aber es verblasst, weil es nicht richtig aufgegriffen wird oder nur für ein paar Komplexe herhält. Meist bekommt das "Opfer" nie die Möglichkeit einem der Täter die Meinung zu geigen. Anna kann es endlich tun und es war großartig und traurig und hat für mich die Geschichte auf ein ganz neues Level angehoben.

Bunte Charaktere, britischer Humor, kein künstliches Drama, keine unnötigen Sexszenen - Here's Looking At Out ist eine bunte Mischung aus allem, was ich liebe und an einem Buch zu schätzen weiß. 

Weitere Informationen zu Here's Looking At You von Mhairi McFarlane:

  • McFarlane, Mhairi: Here's Looking At You. AvonUK. Taschenbuch. 432 S, 10,48€.  
  • Der Roman wurde auf Deutsch unter dem Titel Vielleicht mag ich dich lieber morgen vom Knaur Verlag rausgebracht, als E-Book (9,99€) und Taschenbuch (9,99€).
  • Here's Looking At You ist das zweite Buch von Mhairi McFarlane. Ihr drittes Buch It's Not Me, It's You ist noch nicht in Deutschland erschienen.
  • Hier geht es zu McFarlanes Webseite & Twitter-Account.

Kommentare

  1. Schöne Rezension! Das Buch hab ich bisher geflissentlich ignoriert, weil ich davon ausgegangen bin, dass es sich wieder mal um eine völlig austauschbare Geschichte handelt. Aber so wie du es beschrieben hast, klingt es wunderbar einzigartig :)

    Alles Liebe, Sandra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich glaub es kommt drauf an, was man gerne liest. Wenn man viel von einem Genre liest, ist es schwierig noch was originelles zu finden. Mir gehts so bei NA. Aber britische Chic Lit (wenn man es so nennen will) hat irgendwie etwas Besonderes für mich :)

      Löschen

Liebe Leser, ich freue mich über jeden Eurer Kommentare und nehme mir für jeden einzelnen die Zeit ihn zu lesen und zu beantworten. Deswegen werden Kommentare auch nicht sofort freigegeben und es kann einige Tage dauern, bis ich antworte. (Ihr könnt Kommentare zu den einzelnen Posts abonnieren und so auf dem Laufenden bleiben :) )
Vielen Dank! ❤